Keine Windräder in Dietramszell

Es hat sich gelohnt – Keine Windräder um Dietramszell

 Als die Dietramszeller Bürger Ende 2012 / Anfang 2013  Kenntnis davon erhielten, dass ihre in einer einmaligen Kulturlandschaft liegende Gemeinde durch parallell laufende Planungen für Windkraft-Vorrangflächen sowohl der Gemeinde als auch des Planungsverbandes Oberland / Region 17 regelrecht mit Windrädern umzingelt werden sollte, regte sich spontaner Widerstand, der innerhalb weniger Tage in der Gründung der Bürgerinitiative ‘Windradfreies Dietramszell e.V.’ mündete. Wurde zunächst alleine die Konzentration von privilegierten Windkraftstandorten rund um Dietramszell als unzumutbar empfunden, stellten sich doch mit der Vertiefung in die Materie weitergehende Negativkriterien heraus. Hier sollen insbesondere die mangelnde Rentabilität von Windkraftanlagen bei Schwachwind – wie hier in Oberbayern vorherrschend – die prinzipiellen Schwierigkeiten, die per Windstrom produzierte Energie jemals sinnvoll nutzbar, also speicherbar zu machen, sowie der zum Teil noch mangelhafte Kenntnisstand der Öffentlichkeit über die Risiken und Folgen einer Verspargelung unserer auch für den Tourismus so wichtigen Kultur- und Naturlandlandschaft, genannt werden. Dabei haben wir immer eine andere, bessere Energiewende ohne Belastung von Natur, bürgernah und ideenreich im Fokus gehabt.

In Bürgerversammlungen, mit Vogelschutz- und Landschaftsgutachten, Rechtseinsprüchen, Demos sowie vielen Gesprächen auf politischer Ebene haben wir versucht, die Risiken einer verfehlten Energiepolitik der Öffentlichkeit aufzuzeigen. Auch stellten wir bald fest, dass wir diesen Kampf nicht alleine aufnehmen müssen, hatten sich doch im Oberland, ja überall in Deutschland Bürgerinitiativen gegen ein unsinniges EEG gebildet. So konnten wir unsere Anstrengungen in gemeinsamen Aktionen oft bündeln und wurden damit von der Öffentlichkeit und den Medien gut wahrgenommen. Mit diesem Synergieeffekt haben wir schlussendlich auch Gehör bei Kommunal- und Landespolitikern gefunden. Horst Seehofer hat den alleine bayernweit über 100 Bürgerinitiativen aufmerksam zugehört und daraus die sinnvolle 10H Regelung,  in der Mindestabstände von Windkraftanlagen zu Wohngebieten festgelegt werden, abgeleitet.

Die von der Regionalplanung Oberland anfangs verfolgte Ausweisung von privilegierten Standorten für Windkraftanlagen – hier insbesondere die Gemeinden Dietramszell und Otterfing betreffend – wurde bei der Sitzung des Planungsausschusses 17 Oberland am 18. Dezember 2013 – nicht zuletzt aufgrund zahlreicher im Anhörungsverfahren eingegangener, sachlich sehr gut begründeter Einwendungen – aufgegeben.

 Auch hat sich mittlerweile die grundsätzliche Erkenntnis durchgesetzt, dass Monsterwindräder in unserer Schwachwindzone sehr fragwürdig sind und keinerlei positiven Nutzen haben, im Gegenteil ökonomisch wie ökologisch unsinnig sind.

 Unser ganz besonderer Dank gilt daher insbesondere der  Einsicht und Weitsicht einiger Politiker auf Bundes-, Landes- und lokaler Ebene, die die Notwendigkeit zur Korrektur der geplanten Vorgehensweise klar erkannt haben. Insbesondere bedanken wir uns bei der bayerischen Staatsregierung für ihren Einsatz, den Windkraftwahn zu stoppen und damit die Zerstörung und wirtschaftlichen Schaden von unserer Heimat abgewendet zu haben.

Wir möchten an dieser Stelle aber auch allen unseren Mitgliedern und Unterstützern für die getane Arbeit von Herzen danken. Danke auch an die vielen Spender ohne deren Zuwendungen wir vieles nicht hätten leisten können.

 Helfen Sie auch weiterhin mit, eine für uns alle, für Natur und Landschaft verträgliche Energiewende zu meistern.

Hier die Vorgeschichte

Die Bayerische Staatsregierung hat 2011 in ihrem Energiekonzept ‚Energie innovativ‘ beschlossen, den Strombedarf innerhalb der nächsten 10 Jahre zu 50% aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Der Anteil der Windenergie soll dann 10% betragen. Dazu wird der Bau von zusätzlichen 1500 (derzeit ca.550 vorhanden) WEA angestrebt. Das Oberland und hier besonders Dietramszell sollen dazu einen immensen Flächenbeitrag mit schädigender Wirkung in einem kulturhistorischen, naturnahen und touristisch bedeutsamen Gebiet leisten. Dagegen müssen wir uns wehren! Hier wird die Energiewende missbraucht, um wirtschaftliche Interessen durchzusetzen. Diese Landschaft  ist unser aller Kapital und stellt eine tragende Säule unserer Lebensqualität dar.

Wir rufen auf, die Energiegewinnung aus natürlichen, nachhaltigen Ressourcen intelligent und Umweltbewusstsein zu gestalten. Wir sind gegen eine Zerstörung unserer Heimat durch gewinnorientierte Investitionen wie den Bau von Windenergieanlagen in ökologischen und kulturhistorischen Gebieten, die zudem noch ausgewiesene Schwachwindzonen sind. Helfen Sie bitte unser wunderbares bayerisches Oberland für Sie als willkommener Besucher, für uns als Bewohner und vor allen Dingen für unsere Kinder zu erhalten. Lassen Sie nicht zu, dass dieses Land zum Objekt von Spekulation und energiewirtschaftlicher Ausbeutung wird.

Der Ausstieg aus der Atomenergie und die Unabhängigkeit von Energieimporten  ist ein großes Anliegen unserer Gesellschaft. Mit dem EEG (Erneuerbare Energien Gesetz) haben wir eine grundsätzliche Möglichkeit  unsere Forderung nach erneuerbaren Energien zumindest in Teilen zu erfüllen. Windkraft als Energielieferant soll nach dem EEG eine nicht unwichtige Rolle spielen. Standorte für Windenergieanlagen (WEA) müssen aber sozialen, umweltverträglichen, touristischen und nicht zuletzt auch kulturhistorischen Kriterien entsprechen und nicht nur wirtschaftlichen.

Windleistung steht  im Raum Oberland nur beschränkt nach Stärke und Dauer zur Verfügung. Windgeschwindigkeiten bei uns hier übersteigen im Jahresmittel typisch 4.5m/s nicht. Allerdings können diese laut Bayerischen Windatlas für 10m ü.G. vorliegenden Werte mit zunehmender Höhe in den Bereich von maximal bis zu 6.5m/s steigen. Dieser Wert sagt allerdings nichts über die Häufigkeit der erreichbaren Windwerte aus. Um mit diesen Voraussetzungen überhaupt einen wirtschaftlichen Energieertrag zu erhalten, sind für Schwachwind ausgelegte gigantische Windräder mit einer Nabenhöhe von 140m, Gesamthöhe von 200m und einem Rotordurchmesser von bis zu 80m und mehr (z.B. Enercon E-82 E3 und E 101), Tendenz steigend, erforderlich. Die damit verbundene Belastung der Schutzgüter Natur, Landschaftsbild und Mensch ist offensichtlich. (Bild) Zum Vergleich: In der Großstadt München ist es aus landschaftsarchitektonischen Gründen verboten höher als 99m zu bauen!

Wir sind der Meinung:

Das eigentliche Ziel, erneuerbare Energiequellen zu erschließen, kann auf einem völlig anderen Weg – und dies ohne die Natur und Menschen zu belasten und zu schädigen –  erreicht werden. Wir sind grundsätzlich dafür, unseren Energiebedarf auf eine natürliche Basis zu stellen – dies aber mit Verstand!